«Draussen fühle ich mich am wohlsten»
Wer sich häufiger im Schaaner Zentrum aufhält, ist ihr mit Sicherheit schon begegnet. Seit zehn Jahren ist Linda Röckle nicht nur im SAL, sondern vor allem rund um den Rathausplatz, den Lindaplatz und den Lindahof im Einsatz und sorgt dafür, dass alles sauber und ordentlich bleibt. Bei jedem Wetter – und immer mit einem offenen Ohr für die Menschen, denen sie dabei begegnet.
1. Linda, du hast eine Anlehre zur Fachfrau Betriebsunterhalt absolviert und später das Diplom zur Hauswartin gemacht. Seit knapp zehn Jahren arbeitest du als Bereitstellerin im SAL und bist hauptverantwortlich für die Reinigung des Aussenbereichs. Welche Aufgaben umfasst deine Tätigkeit?
Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Bei Anlässen im SAL helfe ich beim Aufstellen der Stühle und Tische und unterstütze bei den Reinigungsarbeiten. Ausserdem achte ich darauf, dass es rund um den SAL und das Rathaus immer sauber ist: Ich leere die Abfallkübel und beseitige alles, was am Boden liegt und dort nicht hingehört. Mittlerweile bin ich hauptverantwortlich für die Reinigung des Aussenbereichs – dort bin ich am liebsten. Ich mag es, bei Wind und Wetter draussen zu sein. Dabei kommt man auch immer wieder mit Menschen ins Gespräch. Es gibt ein paar nette Leute, die regelmässig ein paar Worte mit mir wechseln. Das schätze ich sehr. Im Gegensatz dazu bin ich jeweils froh, wenn die Arbeiten im Innenbereich schnell erledigt sind. (schmunzelt)
2. Wie flexibel musst du dabei sein?
Sehr flexibel. Bei grossen Anlässen wie der Fasnacht oder dem LIFE ist es selbstverständlich, dass ich auch am Wochenende im Einsatz bin. Was mich natürlich nicht daran hindert, mich am Abend selbst ins Getümmel zu schmeissen. (lacht) Aber auch sonst springe ich immer wieder ein, wenn jemand ausfällt. Zwar haben wir einen groben Monatsplan mit fixen Arbeitseinsätzen und Freitagen. In einem Veranstaltungszentrum wie dem SAL lässt sich jedoch nicht alles bis ins Detail planen – da sind Flexibilität und Spontanität gefragt.
3. Du bist in Vaduz aufgewachsen, deine Familie lebt noch dort. Wie kam es, dass es dich nach Schaan verschlagen hat?
Ich habe mich damals auf die ausgeschriebene Stelle bei der Gemeinde beworben und sie erhalten. Danach habe ich meinen Lebensmittelpunkt nach Schaan verlegt. Ich wohne hier mit meinem Mann, und auch mein Pferd ist in Schaan untergebracht. Das passt für mich perfekt – ich fühle mich sehr wohl hier, und es zieht mich ehrlich gesagt überhaupt nicht nach Vaduz zurück.
4. Deine Mutter Doris Röckle ist Autorin und hat sich mit ihren historischen Romanen einen Namen gemacht. Hast du als Kind viel von dieser mittelalterlichen Welt mitbekommen?
Ja, durch meine Mutter habe ich einiges aus dieser Zeit mitbekommen. Sie hat sich intensiv mit dem Mittelalter befasst und uns – meinem Papa, meinen Brüdern und mir – immer wieder Passagen aus ihren neuen Texten vorgelesen. Noch heute wirft sie uns spasseshalber vor, dass wir beim ersten Vorlesen alle eingeschlafen sind. Ich glaube, sie hat das Kapitel danach sofort umgeschrieben. (lacht) Ich begleite meine Mama auch zu ihren Lesungen und habe mittlerweile fast alle ihre Bücher gelesen. Es ist schon etwas Besonderes zu wissen, dass die eigene Mutter diese Geschichten geschrieben hat. Das Talent zum Schreiben habe ich von ihr allerdings nicht geerbt – da fotografiere ich lieber.
5. Du fotografierst in deiner Freizeit? Ein schönes Hobby und sicher ein guter Ausgleich zu deiner Arbeit.
Ja, das Fotografieren macht mir wirklich grosse Freude. Gemeinsam mit meinem Papa habe ich schon Fotokurse besucht und sogar einmal bei einem Fotowettbewerb den vierten Platz belegt. Meine Lieblingssujets sind ganz klar die Natur und die Tierwelt. Meine eigenen Tiere müssen dabei oft als Models herhalten: Mein Mann und ich haben eine Sibirische Waldkatze und eine Maine-Coon. Und natürlich gibt es da noch meine zickige Freibergerstute, die es faustdick hinter den Ohren hat. Sie fordert mich immer wieder aufs Neue heraus und sorgt dafür, dass mir ganz bestimmt nie langweilig wird.
Fotos: Michael Zanghellini