Mit seinen 17 Jahren als Vermittler blickt Herbert Walser auf die zweitlängste Amtszeit in der Schaaner Geschichte dieser Institution zurück. So ist es naheliegend, dass er viel gesehen und erlebt hat. Wenn er auf seine fünf Mandatsperioden und zahlreiche Anekdoten zurückblickt, erwacht das 2015 abgeschaffte Vermittleramt zu neuem Leben.
Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Drohung mit einem Gang vor den Vermittler eine ernste Angelegenheit. Er war in seinem Dorf die erste gerichtliche Instanz, wobei seine Aufgabe, wie der Name schon sagt, das Vermitteln und nicht das Richten oder Aburteilen war. Doch mit den Zeiten änderten sich die Bedürfnisse, und das Amt wurde 2015 abgeschafft.
SchaanGschecht gibt in unregelmässigen Abständen Einblicke in die politische Arbeit des späten 20. und frühen 19. Jahrhunderts. Dieses Mal handelt der Einblick von einem Pfarrer und einem Gemeindevorsteher, die sich gegenseitig beweisen wollten, wer in Sachen Heuernte am Sonntag am längeren Hebel sitzt.
In den 1940er-Jahren haben Lorenz Schierscher und Gottlieb Hilti gemeinsam die Schulbank gedrückt, 1979 waren sie Konkurrenten um das Amt des Vorstehers, 1981 spannten sie als Vorsteher und Gemeinderat zusammen, um Schaan den Erwerb des Anwesens Steinegerta zu ermöglichen. Mit einem Trick verhinderten sie eine Abstimmung über den Kauf, weil sie überzeugt waren, dass er für die Zukunft der Gemeinde von grosser Bedeutung ist.
Schon bald nach der Öffnung Liechtensteins als Wohnsitzland für vermögende Ausländer und der Erschliessung des Schaaner Villenviertels zog es eine Reihe wohlhabender Einwanderer ins Land. Zu diesen finanzkräftigen Immigranten zählte der Kaufmann und Waffenhändler Rudolf Ruscheweyh. Er fand Gefallen an einem Grundstück am Waldrand in der Flur Steinegerta.
Ob Politiker für ihr Amt zu beneiden sind oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Ebenso verhält es sich bei der Frage, ob der Job heute einfacher ist als vor rund 100 Jahren. Die Materien, mit denen sich Regierung, Vorsteher und Gemeinderäte, zu befassen hatten, waren aber definitiv anders gelagert. SchaanGschecht gibt künftig in unregelmässigen Abstände Einblicke in die politische Arbeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.