Rupert Quaderer ist stolzer Schaaner und dennoch kein klassischer Lokalpatriot. Mit seinen 84 Jahren und als promovierter Historiker kann er weit zurückblicken. Dabei sieht er in der Geschichte und Gegenwart seiner Heimatgemeinde nicht nur die Sonnenseiten, sondern mahnt auch vor zu rasantem Fortschritt und damit einhergehenden Fehlentwicklungen.
«SchaanGschecht» gibt Einblicke in ausgewählte Themen aus unterschiedlichsten Bereichen der Gemeindegeschichte. In der Rubrik «Schaa verzellt» kommen dabei Zeitzeugen in Videointerviews zu Wort und lassen frühere Tage lebendig werden.
Seit Mitte Juni sind die Arbeiten an der ÖBB-Trasse kaum zu übersehen. Sie dauern noch bis Mitte Oktober 2026 an und sorgen für gewisse Einschränkungen beim motorisierten Verkehr. Doch verglichen mit den Arbeiten zu Beginn der 1870er-Jahre sind sie eine Kleinigkeit. Zuvor hatte sich Liechtenstein stark für seinen Anschluss ans Bahnnetz engagiert und später zusammen mit den ÖBB immer wieder in die Infrastruktur investiert.
2026 feiert der Schaaner Jahrmarkt sein 100-jähriges Bestehen. Das eigentliche Jubiläum wäre zwar erst im November, doch im Lauf seiner Geschichte hat sich der Anlass stark gewandelt. Eine Auswirkung ist das Datum im Frühling. Andere werden bei einer Presseschau zu seinen Ursprüngen deutlich. Damals erhitzte der Anlass die Gemüter weit mehr als heute.
Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Drohung mit einem Gang vor den Vermittler eine ernste Angelegenheit. Er war in seinem Dorf die erste gerichtliche Instanz, wobei seine Aufgabe, wie der Name schon sagt, das Vermitteln und nicht das Richten oder Aburteilen war. Doch mit den Zeiten änderten sich die Bedürfnisse, und das Amt wurde 2015 abgeschafft.
SchaanGschecht gibt in unregelmässigen Abständen Einblicke in die politische Arbeit des späten 20. und frühen 19. Jahrhunderts. Dieses Mal handelt der Einblick von einem Pfarrer und einem Gemeindevorsteher, die sich gegenseitig beweisen wollten, wer in Sachen Heuernte am Sonntag am längeren Hebel sitzt.
Nach seinem Lehrabschluss konnte Carl Walser (*1934) sich vor Stellenangeboten kaum retten. Er entschied sich für die Hilti o. H. G, wo er rasch Karriere machte. So hat er den Wandel Schaans von der Agrargemeinde zum Industriestandort hautnah miterlebt und mitgeprägt. Später war es ihm ein Anliegen, die Berufsbildung weiter voranzubringen.
Die heutige Weltfirma Hilti AG ging aus einer überschaubaren mechanischen Werkstätte hervor. Der Betrieb befand sich damals noch an der Landstrasse westlich der Kirche St. Peter. Von dort aus trat das Unternehmen einen eindrücklichen Erfolgsweg an.
Als Kind und Jugendlicher musste Carl Walser (*1934) wie fast alle aus seiner Generation auf dem Feld und im Stall zum Familieneinkommen beitragen. Nach der Realschule wollte er eine Lehre absolvieren. Doch Ausbildungsplätze waren rar. Da tat sich ihm eine Chance in Oberösterreich auf, die er gerne genutzt hat.
Im bäuerliche geprägten Liechtenstein waren Handwerk und Gewerbe lange Zeit nur ein Nebenerwerb. Es dauerte bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, bis sich dies ändern sollte. Noch etwas länger dauerte es, bis sich auch die Berufsbildung institutionalisierte. Dazu beigetragen haben Pioniere wie Wilhelm Büchel und Carl Walser.
Die Kirche St. Peter in Schaan hat eine genauso lange wie bewegte Geschichte. Ihr Gesicht hat sie im Lauf der Jahrhunderte mehrfach verändert. Die letzte einschneidende Veränderung erfolgte Anfang der 1960er-Jahre. Dazu, wie die Arbeiten vonstattengingen, findet sich im Gemeindearchiv eines der frühesten Farbfilmdokumente aus Schaan.