Park im Äscherle – wo Natur, Landwirtschaft und Genuss zusammenwachsen
Nach Abschluss der Bauarbeiten zur Erstellung des Parks im Äscherle nimmt nun auch das im Konzept vorgesehene Agroforstsystem immer mehr Gestalt an. Es verbindet lokale Nahrungsmittelproduktion mit der Förderung der Biodiversität und birgt grosses Potenzial, die Wertschätzung der Bevölkerung für die Natur weiter zu steigern.
Mit dem knapp 26’400 Quadratmeter grossen Park nördlich des Werkhofs hat die Gemeinde Schaan im vergangenen Jahr einen attraktiven Naherholungsraum geschaffen. Der Park hat sich mittlerweile als beliebtes Spazierziel etabliert. In der grünen Oase mit ihrem naturnahen Bachlauf lässt sich der Alltag schnell hinter sich lassen – und auch die tierischen Bewohner entdecken den Lebensraum zunehmend für sich.
Pionierprojekt Agroforstsystem
Mit der Integration eines Agroforstsystems auf den landwirtschaftlichen Freiflächen findet das Projekt nun seinen Abschluss. Per Definition sind Agroforstsysteme multifunktionale Landnutzungssysteme, die den Anbau von Bäumen und Sträuchern mit Ackerkulturen und/oder Viehhaltung auf einer Fläche kombinieren. Gemeindeförster Gerhard Konrad, der das Projekt während der dreijährigen Umsetzungsphase begleitet hat, zeigte sich von Beginn an begeistert: «Der Begriff Leuchtturmprojekt wird zwar mittlerweile inflationär verwendet. Im Park im Äscherle können wir aber tatsächlich ein solches realisieren – und es wird uns mit Sicherheit viel Freude bereiten.»
Ziel ist ein Innovationsfeld, in dem Obstbäume mit Ackerfrüchten, Gemüse, Beeren und Kräutern sowie mit einer temporären Weidenutzung kombiniert werden. Bereits gepflanzt sind vier Baumreihen mit rund 50 Hochstammbäumen verschiedenster Obst- und Nussarten, welche die Ackerstreifen voneinander trennen. Ergänzt werden sie auf den Biodiversitätsflächen durch Blühstreifen, Sandlinsen, Nisthilfen sowie Ast- und Steinhaufen. So entstehen wertvolle Nahrungs- und Rückzugsräume für Insekten, Vögel, Reptilien, Amphibien und kleine Säugetiere. Darüber hinaus verbessern die Bäume das Mikroklima: Sie spenden Schatten, schützen vor Wind, reduzieren Erosion und verringern die Verdunstung. Ihre tief reichenden Wurzeln fördern den Nährstoffeintrag aus unteren Bodenschichten, während ihre Kronen Lebensraum für Vögel bieten und herabfallendes Laub Kleintieren Unterschlupf gewährt.
Wie Gerhard Konrad erklärt, war der Gemeinde bei der Planung eine sinnvolle Anordnung der Baumreihen und Ackerstreifen wichtig: «Die Bäume sollen die Bewirtschaftung so wenig wie möglich einschränken und gleichzeitig die Fruchtbarkeit der Äcker fördern. Nur so ist mittelfristig eine ökonomisch konkurrenzfähige landwirtschaftliche Nutzung möglich.»
Der Park im Äscherle und das neue Innovationsfeld bilden eine klare Einheit. Letzteres umfasst rund 14’000 Quadratmeter, davon etwas mehr als 12’000 Quadratmeter landwirtschaftliche Anbaufläche, verteilt auf vier Ackerstreifen. Neben etablierten Kulturen wie Kartoffeln oder Braugerste sollen künftig auch weniger bekannte Pflanzen wie Kamut, Einkorn oder Winterlein angebaut werden.
Gefunden: Bewirtschafter mit vielen Talenten
Die Gestaltung der Flächen ist jedoch nur ein Teil des Erfolgs – ebenso entscheidend ist eine fachkundige Bewirtschaftung. Deshalb definierte die Gemeinde klare Anforderungen an den Landwirt, der mit dem Anbau betraut werden sollte: Er muss einen direktvermarktungsberechtigten Betrieb in Schaan führen, nach biologischen Richtlinien zertifiziert sein und über ausgewiesene Erfahrung im Ackerbau verfügen. Gesucht wurde zudem eine motivierte, innovative und kommunikative Persönlichkeit, die noch relativ jung und bereit ist, ein Projekt mit regionalem Vorbildcharakter langfristig zu begleiten.
«Uns war bewusst, dass wir die Messlatte hoch ansetzen», sagt Gerhard Konrad. «Umso erfreulicher ist es, dass wir mit Kevin und Gabriela Kainer ein Bewirtschafterpaar gefunden haben, das alle Anforderungen erfüllt und sich auf die Zusammenarbeit freut.» Das Duo hat seine Arbeit bereits aufgenommen: Im Herbst 2025 wurde Braugerste angebaut. «In diesem Jahr dürfen wir uns somit auf Bier aus Schaaner Gerste freuen, gebraut im Liechtensteiner Brauhaus», so Konrad. «Damit wird ein weiteres Ziel der Gemeinde erreicht – die lokale Verarbeitung der Produkte.» Ebenso geplant ist bereits der Anbau von Hackfrüchten, Ribelmais und Buchweizen, der zu Brot verarbeitet werden soll. Ergänzt wird das System durch eine temporäre Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Jungvieh. Insgesamt entsteht so ein zukunftsweisendes Projekt mit grossem Potenzial, von dem letztlich die gesamte Bevölkerung nicht nur profitieren, sondern auch kosten kann.
Foto: Julian Konrad