«Ein Zentrum, von dem manche Grossstadt träumt»
In dieser Woche jährte sich im Schul- und Freizeitzentrum Resch der Schulanfang nach den Weihnachtsferien zum 50. Mal. Anfang 1976 konnte das Gebäude bezogen werden. Die offizielle Eröffnung erfolgte zwar erst im September, doch dafür umso würdevoller.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Schaaner Bevölkerung stark an. Das führte unter anderem dazu, dass Schulraum und Spezialräumlichkeiten wie die Turninfrastruktur knapp wurden. Verschiedene Massnahmen sollten das Problem lösen. Doch da das Wachstum anhielt, konnte schliesslich nur ein Neubau dauerhaft für den nötigen Platz sorgen. Dass er in der Resch, wo noch viel Bauland zur Verfügung stand, entstehen sollte, war schnell klar. Dass der Neubau auch als Freizeitzentrum dienen sollte, war dem Gemeinderat auch rasch ein Anliegen. Aus dem darauf gründenden Projektwettbewerb ging der Zürcher Architekt Walter Schindler als Sieger hervor. Den erforderlichen Kredit in Höhe von 17,6 Millionen Franken bewilligten die Stimmbürger im Frühjahr 1971 mit 282 Ja- zu 231 Nein-Stimmen. Der Spatenstich erfolgte am 22. Januar 1973. Nach knapp dreijähriger Bauzeit fand der Umzug aus dem alten ins neue Schulhaus, bei dem die Kinder tatkräftig mithalfen, am 23. Dezember 1975 statt.
Der Kredit wurde bis dahin allerdings deutlich überschritten, was gemäss offizieller Diktion der Teuerung geschuldet war. Am Ende kostete das Schul- und Freizeitzentrum rund 24,3 Millionen Franken. Doch das Raumproblem war auf lange Sicht gelöst, und auch die Hilfsschule, die langsam lernende Kinder mit einem an ihre Fähigkeiten angepassten Unterricht förderte, hatte ihren Platz gefunden. Ausserdem erhielt Schaan im Resch einen grosszügigen Gemeindesaal.
Ein Treffpunkt für Jung und Alt
Während die Schulkinder bereits den Unterricht in ihren neuen Räumlichkeiten besuchten, liefen im Hintergrund die Vorbereitungen für das Eröffnungswochenende, das auf den 11. und 12. September 1976 terminiert war. Dazu gehörte für Vorsteher Walter Beck das Verfassen eines Texts im Gemeindemagazin «Schaan heute», das im August in einer Sonderausgabe anlässlich der Eröffnung und des 70. Geburtstags von Fürst Franz Josef II. erschien. «Wir Schaaner dürfen uns freuen, dass es uns gelungen ist, in einer Bauzeit von 3 Jahren die Schulanlage in der Resch zu verwirklichen und damit nicht nur ein neues Schulhaus, sondern ein Gemeindezentrum im wahrsten Sinne des Wortes errichtet zu haben», schrieb Beck. Denn der Gedanke, dass die Schule in der unterrichtsfreien Zeit allen Altersstufen offenstehen und somit im weitesten Sinne als Bildungszentrum für die ganze Gemeinde dienen soll, sei verwirklicht. «So sind wir Schaaner nun im Besitze eines Bildungs- und Freizeitzentrums, welches dank weitsichtiger Planung den vielfältigsten Ansprüchen innerhalb unserer Gemeinde auf Jahre hinaus genügen wird.» In den vorangegangenen Monaten habe sich das Konzept schon bestens bewährt. «Die gesamte Anlage in der Resch ist bereits zu einem Treffpunkt für Jung und Alt geworden.»
Walter Becks Dank galt allen, die ihren Beitrag zum Gelingen des Projekts geleistet hatten. «Es ist kaum auszudenken, wie viele Details zu beraten und abzuklären waren, bis das ganze Werk vollendet war. Aber erst, seitdem die Menschen die erstellten Räumlichkeiten mit Leben ausfüllen, können wir sagen, dass dieses Werk auch gelungen ist und bereits Bedeutung über unsere Gemeindegrenzen hinaus erlangt hat.»
Schweizer Nationalmannschaft zu Gast
Zu den Vorbereitungen auf das Fest gehörte selbstverständlich auch die Zusammenstellung des Programms. Das hatte es in sich, sollte es doch die gesamte Vielfalt der Anlage zeigen. In der Dreifachturnhalle fanden am Samstag, 11. September, ein Volleyballturnier und eine Vorführung im Kunstturnen statt – mit der Schweizer Nationalmannschaft im Kunstturnen als Gast. Das Hallenbad wurde mit Schwimmwettkämpfen offiziell eröffnet. Der neue Saal hatte seine Feuertaufe mit einem grossen Volksfest am Samstagabend. Eine Dixieland-Gruppe sorgte im Pausenbereich für musikalische Unterhaltung, während sich die Jüngeren in der Diskothek vergnügen konnten. «Eine Tonbildschau von Walter Wachter verspricht interessant zu werden. Schauen Sie doch mal vorbei. Für die kulinarischen Feinschmecker lohnt sich der Besuch des Foyers bzw. des Pausenbereiches, wo Spezialitäten angeboten werden», versprach Walter Beck.
Am Sonntag wurde die gesamte Anlage nach einer Heiligen Messe feierlich eingeweiht und nochmals hochoffiziell eröffnet. Umrahmt wurde das Ganze von der Harmoniemusik, die auch ein Frühschoppenkonzert zu geben plante. Den Nachmittag sollte dann ein grosses Kinderfest mit Ballonwettbewerb prägen. «Es lohnt sich also, an diesem Wochenende dem Schaaner Schul- und Freizeitzentrum in der Resch einen Besuch abzustatten. Zum einen können die interessanten Räumlichkeiten besichtigt werden, zum anderen wird deren Nutzbarkeit mit dem erwähnten vollen Programm transparent gemacht.»
«Optimal für zeitgemässen Unterricht»
Beim Bankett für die geladenen Gäste – mit Landesfürst Franz Josef als Ehrengast – drückte auch die Landespolitik, vertreten durch den damaligen Regierungschef-Stellvertreter und Bildungsminister Hans Brunhart, ihre Anerkennung aus. Er sagte, Schaan habe tatsächlich allen Grund, sich zu freuen. «Freilich hat die Gemeinde mit dem Bau und der Erhaltung dieses Zentrums eine grosse Verpflichtung übernommen.» Und generell hätten die Gemeinden in der jüngeren Vergangenheit im Schulhausbau Grosses geleistet. «Diese Leistungen ergeben sich aus der Verpflichtung des Artikels 25 des Schulgesetzes, der besagt, dass die Primarschulen von den Gemeinden zu errichten und zu erhalten sind. Die grossen Anstrengungen der Gemeinden auf dem Primarschulsektor entspringen jedoch nicht nur – davon bin ich überzeugt – dem Willen, dem Schulgesetz Genüge zu tun, sondern vor allem dem Bewusstsein, dass Bildung und Erziehung unserer Jugend eine Aufgabe ist, welcher absolute Priorität zukommen muss. […] Man kann uneingeschränkt seitens der Schulbehörde feststellen, dass durch die neuen Schulanlagen hier in Schaan optimale Voraussetzungen für die Erteilung eines zeitgemässen, wirkungsvollen und dem Kind entsprechenden Unterrichts geboten werden.»
Noch euphorischer äusserte sich der Redaktor des «Vaterlands», dessen Fazit lautete: «Mit dem festlichen Bankett klangen die Eröffnungsfeierlichkeiten der Schul- und Freizeit-Anlage ‹Resch› Schaan aus! Schaan hat mit dieser Anlage sicherlich ein Zentrum erhalten, von welchem manche Grossstadt nur träumen kann und welches in der Geschichte der Gemeinde Schaan sicherlich einige Zeilen schreiben wird.» Diesem abschliessenden Wunsch sei hiermit einmal mehr Genüge getan.
Titelbild: Gemeindearchiv Schaan, BF 30/65, Fotograf: Walter Wachter, Schaan
Literatur:
- Falk, Jakob: Chronik der Volksschule Schaan. Schaaner Heimatbuch, Band 1. Schaan, 1976.
- Liechtensteiner Vaterland, 14.9.1976, S. 1
- Liechtensteiner Vaterland, 18.9.1976, S. 1
- Liechtensteiner Volksblatt, 9.4.1974, S. 1.