Kulturbrauerei: Wo einst Bier lagerte, entsteht Kunst
An der Feldkircher Strasse im ehemaligen Brauhaus der Brauerei Quaderer entsteht seit Ende 2024 die Schaaner «Kulturbrauerei». In rund einem Jahr sollen dort Künstler für einige Monate ihr Quartier beziehen und kreativ wirken können. Die Arbeiten auf der Baustelle schreiten zügig voran, und im Hintergrund entsteht ein Nutzungsreglement.
Wenn am 5. September der Tag des Denkmals begangen wird, soll die Kulturbrauerei das Highlight der Feierlichkeiten in Liechtenstein sein. «Für diesen Tag ist die Eröffnung geplant, und die Bevölkerung kann sich ein Bild vom sanierten und umgenutzten Gebäude machen», sagt die Schaaner Hochbauleiterin Marion Risch. «Von den Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Objekt war von aussen lange nicht allzu viel zu sehen, obwohl sie überaus aufwendig waren.»
Von Asbest über Pappe bis Stroh
Ein wesentlicher Eingriff war die neue Vertikalerschliessung in den Gewölbekeller, in dem bis 1917 Bier gelagert und gekühlt wurde: eine logistisch anspruchsvolle Treppe an der Westseite des Objekts und ein Lift, um die Barrierefreiheit sowie die Anlieferung von Material zu gewährleisten. Der Keller dient künftig als Ausstellungsraum für die Künstler, die in der Kulturbrauerei jeweils für einige Monate wohnen, wozu ihnen fünf Künstlerateliers im Dachgeschoss zur Verfügung stehen.
Aufwendig waren die Arbeiten aber nicht nur wegen der neuen Erschliessung. «Der Baumeister und die Zimmerleute sind auf sehr unterschiedliche Zustände in der Gebäudesubstanz gestossen», sagt Marion Risch. «Wir haben selbstverständlich zuvor Proben genommen, aber teilweise war das Material nur wenig weiter entfernt deutlich schlechter.» Dies hatte zur Folge, dass Holzdecken teils entfernt, Balken versetzt oder ersetzt werden mussten. Ausserdem kam im Fassadenputz Asbest zum Vorschein, der fachgerecht zu entfernen war. Auch sonst hielt der Putz einige Überraschungen bereit. Teilweise befand sich darunter Pappe, an anderen Stellen Stroh. «Das galt es alles abzuklopfen, lockeres Material zu entfernen und dann mit Sumpfkalkmörtel komplett neu zu verputzen.»
Generell waren sehr umfangreiche Restaurationsarbeiten notwendig, wie die Renovation beim Sandstein der Fenster- und Türgewände, die Schleifarbeiten im Gewölbekeller oder die Restaurierung der historischen Fenster. Finanziell wirkt sich das auf das Budget der Gemeinde für die Kulturbrauerei aber nur mässig aus. «Vieles von dem, was Mehrkosten generiert hat, ist denkmalschutzrelevant und wird vom Land getragen», sagt Marion Risch.
«Eine Bereicherung für die Kulturszene»
Parallel zu den Arbeiten an der Fassade lief der Ausbau der Wohneinheiten im Inneren. Nach der Entfernung des Gerüsts stand dann die Restauration und Erneuerung der Fensterfutter an. «Erst, wenn dies abgeschlossen ist, können wir die Fenster bestellen. Sind diese eingebaut, ist die Hülle aber dicht», sagt die Hochbauleiterin der Gemeinde. Anschliessend können auch Böden, Wände und die grosse Küche im Erdgeschoss in Angriff genommen werden.
«Im Frühling 2027 werden voraussichtlich die ersten Künstler einziehen», sagt Marion Risch. Damit die Nutzung und Bespielung des Gebäudes bis dahin klar geregelt sind, arbeiten die Gemeinde Schaan, das Amt für Kultur der Landesverwaltung, die Künstlervereinigung «visarte» und das Literaturhaus Liechtenstein derzeit ein detailliertes Reglement aus. Auch sind die Vorbereitungen für die Ausschreibung bereits in Gang, da der Bezug auch für die Künstler mit einer längeren Planungs- und Vorlaufzeit verbunden ist.
«Wir freuen uns schon sehr auf die Fertigstellung und Eröffnung», sagt Marion Risch. «Die neue Kulturbrauerei wird eine grosse Bereicherung für die Liechtensteiner Kulturszene sein. Und es zeigt sich an diesem Projekt, wie mit viel Engagement und guter Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten wie Planern, Denkmalpflege, Gemeinde und Nutzern, in diesem Fall die Kunstschaffenden, aus Altem Neues von hoher Qualität entstehen kann.»
Fotos: Julian Konrad