Hilti – von der Autowerkstatt zum Weltkonzern
Die heutige Weltfirma Hilti AG ging aus einer überschaubaren mechanischen Werkstätte hervor. Der Betrieb befand sich damals noch an der Landstrasse westlich der Kirche St. Peter. Von dort aus trat das Unternehmen einen eindrücklichen Erfolgsweg an.
Am 21. Juni 1933 erhielt Eugen Hilti, der Inhaber einer kleinen Werkstätte in Schaan, eine Konzession zur Anfertigung von Gattersägen, Zündkerzenkörpern und anderem mehr. Daneben betrieb Hilti an demselben Ort auch eine Autoreparaturwerkstatt. Im Jahr 1939 beschäftigten die beiden Betriebe zusammen 15 Angestellte. 1941 gründete er mit seinem Bruder Martin die Maschinenbau Hilti o. H. G. Martin Hilti hatte in der Zeit der Weltwirtschaftskrise und politischer Unsicherheit die Matura abgelegt, in Graz angewandte Mathematik und in Wismar Maschinenbau studiert.
Lohnarbeit hält die Firma zunächst am Leben
Die beiden Brüder statteten ihr Unternehmen nach und nach mit neuzeitlichen Maschinen und weiteren für eine Maschinenbauwerkstätte nötigen Einrichtungen aus. In den ersten Jahren stellte die «offene Handelsgesellschaft», oder eben kurz o. H. G., Motorenteile, Lehren und Autozündkerzen in Lizenz her. Gleichzeitig aber wurden auch eigene Produkte entwickelt.
Die Firmeninhaber rechneten damals damit, dass sich die Belegschaft auf etwa 100 Personen erhöhen würde. Tatsächlich waren es 1943 rund 70 Angestellte, die vor allem Motorenteile und Zündkerzen für die deutsche Rüstungsindustrie produzierten. Mit dem Zurückweichen der deutschen Armeen liess die Kriegskonjunktur jedoch nach. So war die Firma 1944 vorübergehend gezwungen, Lohnarbeiten wie Drehen, Fräsen und Bohren von Metallteilen für die Maschinenfabrik Rüti anzunehmen – Arbeiten, die auch in den 1950er-Jahren noch für den Schweizer Kunden ausgeführt wurden. Bereits 1945 aber begannen die Brüder wieder mit der Herstellung eigener Produkte, beispielsweise Feuerzeuge und Haushaltgeräte, namentlich wassergetriebene Mixer, die als «Ello-Mixer» bekannt wurden. Durch diese Artikel und die Lohnarbeit konnte die Zahl der Arbeiter und Angestellten auf 120 gesteigert, doch musste sie wegen Absatzkrisen bis 1948 wieder auf fast die Hälfte verringert werden.
Von Eierbechern zur Dübelmontage
Um das Fabrikationsprogramm möglichst breit zu fächern, produzierten die Firmeninhaber unter dem Namen MEA ausserdem Kunstharzprodukte, etwa Eierbecher oder Gehäuse für Elektrogeräte. Dieser Betrieb, in dem etwa ein Dutzend Leute beschäftigt waren, wurde 1950 wieder aufgegeben. 1948 bereits hatten Versuche auf dem Gebiet der Befestigungstechnik begonnen, und 1955 folgte die Schlag- und Schussmontage. Unter dem Namen PERFIX produzierten die Hiltis Bolzensetzapparate, Einschiessbolzen und Installationszubehöre. Zwei weitere Jahre später erfolgte auf dem Markt der Durchbruch dieser Befestigungstechnik. Ausserdem vergrösserte das Unternehmen sein Angebot in verschiedenen Bereichen der Bauindustrie. Dazu gehörte die Produktion von Bohrmaschinen, Schrauben, Messgeräten und Brandschutzsystemen. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf 300 an, die Räumlichkeiten im Altbau an der Landstrasse wurden zu eng. An der Feldkircher Strasse im Gebiet Forst erstellten die Industriepioniere 1954 ein Neubau erstellt. Die alte Produktionsstätte wurde nach dessen Bezug geschlossen.
Die bestehende Produktion ergänzten die Brüder Hilti im Forst um die Herstellung von Bohrhämmern, Bohrern sowie weiteren Werkzeugen für die Befestigungstechnik. Hinzu kam auch die Entwicklung der Dübelmontage. Die ständige Verbesserung der geschlagenen und geschossenen Montage, die nun den Markennamen HILTI trug und bald andere Produktionszweige in der eigenen Firma verdrängte, wurde zu einem globalen Erfolg. In den 1980er-Jahren beschäftigte die Firma weltweit über 10’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 1999 waren es 13’190, 2023 etwa 32’000 in 120 Ländern der Erde. Der Hauptsitz des Unternehmens ist heute noch im Stammhaus mit 1500 Beschäftigten in Schaan.
Titelbild: Gemeindearchiv Schaan, Fotograf unbekannt.
Literatur:
- Merki, Christoph Maria: Hilti Aktiengesellschaft. In: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. Vaduz, Zürich, 2013. S. 359f.
- Wanger, Harald; Wenaweser, Emanuel: «… so müssen die Industrien vermehrt werden …». Industrie in Schaan von den Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts DoMuS-Schriftenreihe, Heft 3. Schaan, 2000. S. 49–65.