Solarstrom zum Ausklappen: Schaan setzt auf faltbare PV-Anlage
Seit Ende August ist die faltbare PV-Anlage auf dem Kleinanlieferungsplatz der Deponie Forst in Betrieb. Sie trägt dazu bei, dass die Gemeinde Schaan ihrer energiepolitischen Verantwortung noch stärker gerecht werden kann und macht sie zum Stromlieferanten für ein benachbartes Gewerbeunternehmen.
«Einen ersten Einblick in das Konzept faltbarer PV-Anlagen durften wir Anfang 2023 gewinnen. Uns wurde ein entsprechendes System auf dem Parkplatz einer Bergbahn in Kronberg im Kanton Appenzell vorgeführt, und wir waren sofort sehr angetan», sagt Mario Franceschini von der Liegenschaftsverwaltung der Gemeinde Schaan. Da auch der Gemeinderat überzeugt war, machte die Bauverwaltung sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort. Ein wichtiges Kriterium war die Kontinuität. «Um die Anlage optimal zu nutzen, sollte sie an ihrem Standort mindestens 30 Jahre Strom produzieren können», sagt Franceschini.
Fündig wurde die Gemeinde schliesslich mit dem Kleinanlieferungsplatz der Deponie Forst. «Ein weiterer Vorteil dort ist, dass die Panele Anlieferern wie Mitarbeitern Schatten spenden, wenn die Anlage ausgefahren ist, und sie dennoch lichtdurchlässig sind.»
Leistung hat sich mehr als verdoppelt
Das System, das nach elf Monaten Planung in rund vier Monaten Bauzeit entstanden ist, ruht auf drei Lastenträgern – je einem an den beiden Stirnseiten und einem in der Mitte. Sie sind so konzipiert, dass das Rangieren auf dem Anlieferungsplatz mit Personen- wie Lastwagen problemlos möglich ist. «Da die Anlage wie eine Seilbahn mit Trage- und Zugseilen funktioniert, hat sie vergleichsweise wenig Gewicht, und die Konstruktion konnte schlank gehalten werden», sagt Mario Franceschini. Die Technik im Hintergrund sorgt dafür, dass die PV-Module an den Seilen ausgefahren werden und eine Art Dach bilden, wenn die Sonne scheint. In der Dunkelheit werden sie eingefahren. Gleiches gilt ab einer gewissen Windstärke und bei Schneefall. «Dies reduziert die Belastungen und trägt ebenfalls dazu bei, eine schlanke Tragkonstruktion zu ermöglichen.»
Die Zeit, welche die Gemeinde zur Auswahl eines geeigneten Standorts aufgewendet hat, nutzten die Verantwortlichen auch zur Optimierung des Projekts. Das erste Konzept sah eine Leistung von 140 Kilowatt-Peak vor. Die nun realisierte Variante verfügt über mehr Fläche und ist um Module an der Fassade des zuvor bereits überdachten Bereichs des Kleinanlieferungsplatzes ergänzt. Sie kann 300 Kilowatt-Peak leisten und könnte damit 70 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen.
Allerdings gelangt der auf der Deponie produzierte Strom zu Betriebszeiten nicht ins allgemeine Netz, sondern wird über eine 130 Meter lange Leitung einem benachbarten Gewerbeunternehmen zur Verfügung gestellt, das ihn entsprechend vergütet. Neben dieser Vergütung profitiert Schaan aber auch in Sachen Ökobilanz. «Es passt gut in die Energiestadt-Strategie, dass die Gemeinde nachhaltige Stromproduktion als Investor fördert – und auch das abnehmende Unternehmen produziert nun noch ökologischer», sagt Mario Franceschini.
Speicherung als nächster Schritt
Die Gemeinde Schaan hat nach der Inbetriebnahme der faltbaren PV-Anlage bereits die nächsten Projekte in Zusammenhang mit der ökologischen Stromerzeugung im Blick. «Einerseits sind auf zwei weiteren Liegenschaften PV-Anlagen geplant, andererseits widmen wir uns intensiv der Frage der Speicherung», sagt Mario Franceschini. «Insbesondere die Anlagen auf den Dächern des Feuerwehr-und Sammlungsdepots sowie des Gebäudes auf der Sportanlage Rheinwiese liefern tagsüber grosse Mengen an Energie, benötigt wird sie in beiden Liegenschaften aber vor allem abends. Dem wollen wir uns nun mit einer geeigneten Speichermöglichkeit annehmen.»
Fotos: Julian Konrad