Wohnen wie 1588 – nur zeitgemässer
Läuft alles nach Plan, kann eine Familie Ende 2028 eine ganz besondere «neue» Bleibe beziehen: Im Baudenkmal an der Winkelgass 2 entsteht eine sanierte Wohneinheit. Derzeit laufen die Vorarbeiten für das Projekt.
Um das Jahr 1588 entstand der Kern des historischen Wohnhauses an der Winkelgass 2, wie jüngste Untersuchungen am verwendeten Bauholz ergeben haben. 435 Jahre lang war das Anwesen in direkter Nachbarschaft des Landweibelhauses daraufhin in Privatbesitz, bevor die Gemeinde Schaan die Liegenschaft 2023 erworben hat.
Zu dieser Zeit waren die beiden Gebäudehälften, deren jüngere gemäss dendrochronologischem Gutachten rund 100 Jahre nach der älteren erbaut worden ist, längst nicht mehr bewohnt. Dies soll sich nach dem Willen des Gemeinderats aber in absehbarer Zeit wieder ändern. Im September 2025 hat er eine Projektstudie zur Sanierung der altehrwürdigen Immobilie und die Erarbeitung eines Vorprojekts in Auftrag gegeben.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Gemeindevorsteher, drei Gemeinderäten, einem Vertreter des Amts für Kultur, dem Architekten und Mitarbeitenden der Schaaner Bauverwaltung, hat schliesslich aus mehreren Bebauungsmöglichkeiten zwei Varianten gewählt, mit denen der Gemeinderat sich in seiner Sitzung vom 1. April beschäftigt hat.
Für Liebhaber historischer Bausubstanz
Inzwischen haben weitere Abklärungen ergeben, dass insbesondere die Variante der Sanierung des bestehenden Wohnhauses mit dem Bau eines zusätzlichen eingeschossigen Pavillons genauso realisierbar wie vielversprechend ist. So kann eine Wohneinheit für eine Familie in Zentrumsnähe entstehen mit zusätzlichen, gut nutzbaren Nebenräumen für das Abstellen von Fahrzeugen und Gerätschaften.
Nicht zuletzt soll das Projekt auch eine mögliche spätere Bebauung östlich des Anwesens Winkelgass 2 berücksichtigen. «Im Herbst werden wir dem Gemeinderat ein konkretes Projekt zur Entscheidung vorlegen», sagt Marion Risch, Hochbauleiterin der Gemeinde Schaan. Um dafür eine belastbare Grundlage zu schaffen, laufen derzeit umfangreiche Sondierungsarbeiten. Experten untersuchen dabei den Verputz, Farben sowie weitere Gebäudestrukturen auf ihre Beschaffenheit und ihren Erhaltungsgrad.
Diese Arbeiten laufen in enger Abstimmung mit der Abteilung Denkmalschutz des Amts für Kultur ab. Da das Anwesen unter Schutz steht, wird sich das Land auch finanziell an der Sanierung beteiligen, wobei die Gesamtkosten und der Umfang der Subvention noch Gegenstand der laufenden Abklärungen sind.
Das Ziel der Gemeinde ist es derzeit, im kommenden Sommer mit den Sanierungs- und Umbauarbeiten zu beginnen. Ein Bezug ist, wenn alles nach Plan läuft, Ende 2028 möglich. «Ich bin sicher, dass das Ergebnis überzeugen wird», sagt Marion Risch. «Wohnen im Baudenkmal ist zwar nicht für jede Familie das Richtige. Gewisse Abstriche an den Komfort müssen die künftigen Mieter selbstverständlich in Kauf nehmen. Einen Lift gibt es beispielsweise nicht, die Nebenräume sind nicht direkt an den Wohnbereich angegliedert, das Haus liegt unmittelbar an der starkbefahrenen Landstrasse, und eine Garage gibt es ebenfalls nicht. Aber Liebhaber historischer Bausubtanz werden sich an der Winkelgass 2 definitiv wohlfühlen.»
Visualisierung: Schreiber Architekten AG