Vom Kanal zur Lebensader: Revitalisierung mit Weitblick
Punktuelle Aufweitungen des Binnenkanals gibt es einige. Die bekannteste ist jene an der Mündung in Ruggell. Aber auch in Schaan gibt es bereits deren zwei. Eine dritte, besonders publikumsattraktive könnte im Gebiet der Hennafarm hinzukommen. Die Grundlage dafür hat Landschaftsarchitekt Linus Nigsch mit seiner Bachelorarbeit geschaffen.
Im Februar hat Linus Nigsch sein Studium an der OST in Rapperswil abgeschlossen. Im Zentrum der Arbeit stand die Entwicklung eines ganzheitlichen Landschaftskonzepts. Der Perimeter erstreckt sich über eine Länge von rund 4,5 Kilometern von der Gemeindegrenze zu Vaduz bis zum Bannriet, der Grenze zu Gamprin. Einen Schwerpunkt hat er auf die Hennafarm und ihre Umgebung gelegt.
«Die Gemeinde hat mir die Plangrundlagen zur Verfügung gestellt, weshalb ich Vorsteher Daniel Hilti und Tiefbauleiter Jürgen Gritsch im Anschluss an die Annahme meiner Arbeit die Ergebnisse präsentiert habe», sagt Linus Nigsch. «Sie waren der Ansicht, dass ich die Ortsplanungskommission ebenfalls informieren sollte. Anschliessend durfte ich das Ganze im Dezember auch dem Gemeinderat vorstellen.» Die Resonanz war positiv. Nun soll das Vorprojekt als Basis für die Weiterentwicklung der Revitalisierung des Binnenkanals und eine allfällige künftige Umgestaltung des Areals Hennafarm dienen. «Als Kind war ich oft auf dem Abenteuerspielplatz Dräggspatz, seit den Junioren und bis heute spiele ich für den FC Schaan. Also habe ich meinen Fokusperimeter bewusst an einem Ort gesetzt, an dem ich mich zu Hause fühle», sagt Nigsch.
Mehr Aufenthalts- und Lebensraumqualität
Der Landschaftsarchitekt fertigte zunächst eine Analyse des Ist-Zustands an. «Diese hat insbesondere beim Kanal erhebliche ökologische Defizite aufgezeigt. «Der künstlich angelegte Binnenkanal fliesst gradlinig in einem Korsett mit durchgehend verbautem Böschungsfuss. Mein Ziel war daher, eine Vision auszuarbeiten, wie der Wasserlauf und seine Umgebung durch mehr zur Verfügung gestellten Raum naturnäher und strukturreicher gestaltet sein könnten». Angestrebt wurde eine gleichwertige Berücksichtigung von ökologischer Aufwertung, Hochwasserschutz und Naherholung. Der Handlungsraum für die gesamte Konzeptplanung wurde von der bestehenden Liegenschaftsverteilung abgeleitet. «Ich habe in meiner Arbeit versucht, mich so weit wie möglich auf öffentlichem Boden zu bewegen. Nur punktuell wäre ein Kauf oder Abtausch nötig, um mein Projekt zu realisieren.»
Zusammengefasst sieht das Konzept eine grossräumige Revitalisierung des Schaaner Binnenkanals vor, die das Gewässer in eine naturnahe, lebendige Lebensader für Mensch und Natur verwandelt. «Der ursprüngliche Zustand der liechtensteinischen Fliessgewässer diente als Vorbild für eine nachhaltige Neugestaltung, die trotz bestehender Einschränkungen wesentlich mehr Lebensqualität und mehr Biodiversität bietet als heute», sagt Linus Nigsch. Idyllische Ruheorte, Naturbeobachtungsplätze und Aufenthaltsbereiche am Wasser sollen ein vielseitiges Erholungsangebot schaffen und die Landschaft erlebbar machen.
Ein neuer Erholungsweg würde gemäss dem Konzept eine naturnahe Verbindung durch abwechslungsreiche Lebensräume schaffen und die monotone Radwegroute auf dem Rheindamm ergänzen. Die Vereinbarkeit von Nutzung und Ökologie wird durch eine gezielte Besucherlenkung mit klarer räumlicher Gliederung erreicht, indem intensive Erholungsnutzungen auf robuste, siedlungsnahe Bereiche konzentriert und sensible Abschnitte gezielt geschützt werden. Pufferzonen und zurückhaltende Zugänge lenken den Nutzungsdruck und sichern zugleich die langfristige ökologische Entwicklung des Schaaner Riets. «So würde das Gebiet zu einer unverwechselbaren Erholungslandschaft, welche die Identität der Gemeinde prägt, Naherholungssuchenden eine wertvolle Oase und gleichzeitig einen deutlichen ökologischen Mehrwert bietet.»
Alle bisherigen Nutzungen und noch einiges mehr
Selbstverständlich wäre eine Reihe von baulichen Massnahmen notwendig, um die Vision von Linus Nigsch im Bereich der Hennafarm Wirklichkeit werden zu lassen. So müssten der Abenteuerspielplatz Dräggspatz und das Trainingsgelände des Agility Teams versetzt werden, um den Binnenkanal, als Bindeglied zwischen Sportplatz und Hennafarm, in das Areal miteinfliessen zu lassen. Auch ein Beachvolleyballfeld sollte entstehen und zwischen den bestehenden Gebäuden auf der Hennafarm ein multifunktional nutzbarer Marktplatz für jegliche Veranstaltungen. Die Parkplätze sollen am nördlichen Rand des Areals angeordnet sein, am Ende einer neuen Verbindung zur Zollstrasse für den motorisierten Individualverkehr. Die bisherige Erschliessung wäre dem Langsamverkehr vorenthalten, wodurch das Areal gesamthaft beruhigt würde.
«Wichtig war mir aber, dass alle bisherigen Nutzungen der gesellschaftlich breit akzeptierten Hennafarm auch künftig ihren Platz haben – gewisse sogar ergänzt werden», sagt Linus Nigsch. Beispielsweise könnte das heutige Dräggspatz-Gebäude zu einem Café Hennafarm umgenutzt werden, bei dem sich Besucher mit Blick auf das aufgewertete Gewässer verpflegen lassen könnten. Ein Ufersteg sowie Zugänge zum Gewässer würden das Wasser erlebbar machen.
Linus Nigsch würde sich naturgemäss sehr freuen, wenn sein Konzept Realität würde. «Der Kanal ist der kleine Bruder des Rheins und hat unglaublich viel Potenzial, das bislang nur teilweise genutzt wurde. Dieses gilt es zu entfalten. Die Revitalisierungen in den Fluren Bofel und Pfarrmäder zeigen, dass solche Massnahmen viel bringen, allein schon in Sachen Fisch- und Artenreichtum, dass aber auch die Menschen als Erholungssuchende profitieren.»
«Sehr froh über die Grundlage»
Eine zügige Umsetzung von Linus Nigschs Konzept scheitert derzeit allerdings noch an den Eigentumsverhältnissen. «Drei für die Revitalisierung des Kanals rund um die Hennafarm zentrale Grundstücke sind nicht im Besitz der Gemeinde», sagt Tiefbauleiter Jürgen Gritsch. «Daher ist das Projekt mittel- bis langfristig ausgelegt. Doch grundsätzlich sind wir sehr froh, mit dem Konzept für die gesamte Kanalstrecke auf Schaaner Hoheitsgebiet und dem Vorprojekt für die Hennafarm eine solide Grundlage für die Revitalisierung zu haben. Auf dieser Grundlage werden wir die nächsten Schritte setzen.»
Foto: Michael Zanghellini
Visualisierungen: Linus Nigsch